Norwegen hielt zweimal, in den Jahren 1972 und 1994, ein Referendum über den Beitritt zur EU ab, und beide Male entschied sich die Mehrheit der Bevölkerung gegen eine Mitgliedschaft. Dennoch arbeitet Norwegen heute auf vielen Gebieten eng mit der EU zusammen. Obwohl die Meinungen geteilt sind, gibt es auf politischer Ebene eine breite Übereinkunft darüber, dass Norwegen ein aktiver und konstruktiver Kooperationspartner sein sollte.
Norwegens wichtigste Form der Assoziation mit der EU ist das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), das 1994 in Kraft trat. Mit diesem Abkommen sind Norwegen und andere EWR-Staaten Teil des Europäischen Binnenmarkts. Das bedeutet, dass norwegische Unternehmen und norwegische Staatsbürger in Gebieten überall im EWR, die durch das Abkommen gedeckt sind, das Recht auf Gleichbehandlung mit Unternehmen und Staatsbürgern der EU-Staaten haben. Dies heißt auch, dass Norwegen sich an Entwürfen zur EU-Gesetzgebung, welche auf den Binnenmarkt bezogen sind, beteiligt und auch an diese Gesetzgebung gebunden ist. Norwegen nimmt auch an vielen EU-Programmen in Bereichen wie Kultur, Forschung, Zusammenarbeit in der Regionalpolitik und Bildung teil. Die Vereinbarung betrifft weder die EU-Zollunion, noch die gemeinsame Handelspolitik in bezug auf Drittländer oder die Fischerei- bzw. Agrarpolitik.
Norwegen betreibt mit der EU im Hinblick auf Justiz- und Innenpolitik eine umfangreiche Zusammenarbeit. Mit dem Schengen-Abkommen ist Norwegen Teil eines Gebietes ohne Grenzkontrollen zwischen den beteiligten Staaten. Die Schengen-Staaten einschließlich Norwegen führen an ihren Grenzen allerdings strenge Passkontrollen und sonstige Überprüfungen in Bezug auf Drittländer durch.
Norwegen teilt die Sichtweisen und Interessen der EU in vielen Bereichen der internationalen Politik und arbeitet auf dem Gebiet der Außen- und Sicherheitspolitik eng mit der EU zusammen. Durch das EWR-Abkommen steht Norwegen mit der EU bei internationalen Fragen in einem steten politischen Dialog. Norwegen schließt sich bei außenpolitischen Entscheidungen auf vielen Gebieten mit der EU zusammen.
Hinsichtlich der Sicherheits- und Verteidigungspolitik hat Norwegen bei den EU- geführten Krisenbewältigungsoperationen in Bosnien-Herzegowina und Mazedonien ziviles und militärisches Personal zur Verfügung gestellt. Norwegen leistet auch nicht unerhebliche finanzielle Unterstützung für Länder auf dem westlichen Balkan und im nordwestlichen Russland.
Im Zuge der Erweiterung der EU und des EWR im Mai 2004 wurden zwei Finanzregelungen eingeführt, eine EWR-Regelung und eine eigene Regelung für Norwegen. Durch diese Regelungen – über die EWR-Mittel – verpflichtet sich Norwegen im Zeitraum 2004-2009 mit neun Milliarden NOK zum Ausgleich von wirtschaftlichen und sozialen Unterschieden in den zehn neuen Mitgliedsländern der EU sowie in Griechenland, Portugal und Spanien beizutragen.
Insgesamt werden damit folgende Einsatzgebiete abgedeckt: Umwelt, nachhaltige Entwicklung, Bewahrung des europäischen Kulturerbes, menschliche Ressourcen, Gesundheit und Kinderbetreuung, Regionalpolitik und der Schengen- und Justizsektor. Zielsetzung ist es, dass die EWR-Mittel zu einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen Norwegen und den Empfängerländern beitragen sollen, sowohl generell als auch durch spezielle Maßnahmen, die es norwegischen Akteuren ermöglichen, Netzwerke aufzubauen und Kooperationspartner in den Empfängerländern zu finden.
Die EU-Zusammenarbeit befindet sich in kontinuierlicher Entwicklung und wird in alle Richtungen vertieft. Dies wirft neue Fragen auf und stellt neue Aufgaben, die in der norwegischen Europapolitik nicht unberücksichtigt bleiben dürfen. Die geografische EU-Erweiterung um immer neue Länder bedeutet u.a., dass auch der EWR größer wird. Die EWR-Staaten haben seit Inkrafttreten des EWR-Abkommens wirtschaftliche Hilfe für die weniger begünstigten Staaten der EU aufgebracht, und Norwegen hat auf bilateraler Basis die Beitrittskandidaten in wirtschaftlicher und technischer Hinsicht unterstützt. Norwegen trägt auf diese Weise zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in Europa bei.